Über 80 Teilnehmer kamen zur diesjährigen ETAS Connections 2015, die Ende November im Robert-Bosch-Haus in Stuttgart stattfand.

01.02.2016

ETAS Connections 2015 – Big Data im Fokus

Thema der Veranstaltung: „Big Data im Automotive Engineering – mehr als nur ein Schlagwort?

Im Rahmen von sechs informativen Vorträgen und einer anschließenden Podiumsdiskussion gingen die Teilnehmer aus der Elektronik- und Software-Entwicklung der deutschen Automobilindustrie dieser Frage nach.

Die Referenten waren:

  • Dr. Harald Straky
    Abteilungsleiter Powertrain Services Calibration Methods & Tools bei der Robert Bosch GmbH
  • Andreas Klegraf
    Leiter Product Management Integration and User Experience bei der ETAS GmbH
  • Prof. Dr. Emmanuel Müller
    Leiter des Fachgebiets "Knowledge Discovery and Data Mining" am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam
  • Markus Gretschmann
    Leiter Technischer Vertrieb (weltweit) für den Bereich Predictive Maintenance and Quality bei IBM Analytics
  • Bernhard Schick
    Global Business Unit Manager bei der AVL List GmbH
  • Sri Krishnan Venkataraman
    Vice President Engineering Services bei Robert Bosch Engineering and Business Solutions Private Limited (RBEI)
  • Eike Martini
    Director Application bei der Continental Automotive GmbH.

Durch den Abend führte dabei Alexander Vocelka, Partner bei der Managementberatung Horváth & Partners und Experte für das Thema Big Data.

Den Auftakt der Vortragsreihe machte Dr. Harald Straky gemeinsam mit Andreas Klegraf. Schon in den ersten Minuten des Vortrags kristallisierte sich heraus, dass Big Data definitiv mehr als nur ein Schlagwort ist. Berühmte Beispiele wie Amazon, Facebook und Google wurden dabei genannt, deren Geschäftserfolg vor allem auf Big Data beruht. Analog dazu gingen die Redner auch auf das zukünftige Potential von Big Data in der Steuergeräte-Entwicklung ein. Prädiktive Diagnosen, selbstlernende Funktionen sowie Qualitätssteigerung und eine erhöhte Effizienz sollen dabei nur ein paar der möglichen Chancen aufzeigen.

Eike Martini beleuchtete das Thema anhand einer Analogie zur Steinzeit: Menschen haben schon immer große Tiere gejagt. Durch das Teilen der Beute konnten diese in handliche Stücke gebracht werden, die leicht weiterverarbeitet und transportiert werden konnten. Ähnlich gehe der heutige Mensch mit großen Datenmengen um. Üblicherweise würden Messungen auf einzelnen Ordnern lokal, ohne oder nur mit sehr wenigen Kommentaren abgelegt, erläuterte Eike Martini. Doch dies funktioniere für Big Data nicht mehr. Dabei wies er auch darauf hin, dass gerade der Transport von solch riesigen Datenmengen zentral beim Thema Big Data sei. Hierfür zukünftig eine gute Lösung zu finden, wird in diesem Bereich wohl wegweisend sein.

An jeden Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussionsrunde mit dem Publikum an und es wurde schnell deutlich, dass das Thema Big Data aus ganz unterschiedlichen und teils auch kontroversen Perspektiven beleuchtet werden kann. Dass es ein für die Zukunft überaus relevantes Thema ist, dem waren sich alle einig. Jedoch ging die Meinung der Referenten in Bezug auf die Zeitschiene, den Umfang und die Art und Weise, wie Big Data die Entwicklungsprozesse beeinflussen wird, weit auseinander. Genau dieses Spannungsfeld verlieh der Veranstaltung das gewisse Etwas.

Um die bestehenden Divergenzen aufgreifen und weiter vertiefen zu können, wurden die Vorträge der ETAS Connections 2015 durch eine Podiumsdiskussion abgerundet. Neben den Referenten Andreas Klegraf, Bernhard Schick und Eike Martini nahmen an der Diskussion teil:

  • Dr.-Ing. Bernd Bohr
    Aufsichtsratsmitglied der Daimler AG
  • Dr. Rainer Kallenbach
    Vorsitzender der Geschäftsleitung Bosch Software Innovations, und
  • Peter Moll
    Leiter Entwicklung Bosch Corporate Sector Information Systems and Services

Das Thema Big Data wurde dabei nochmal aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Auf die Frage, ob Big Data als evolutionäre oder eher als disruptive Innovation gesehen werden könne, meinte Eike Martini: „Einige Aspekte sind sicher evolutionär, aber das wesentliche Umdenken ist schon disruptiv – wie alles, was eine neue Denkweise benötigt.“ Doch auch der Nutzen von Big Data wurde während der Podiumsdiskussion klar herausgestellt. „Wir sehen einen sehr großen Nutzen darin, vor allem beim Punkt Effizienz“, merkte Andreas Klegraf hierbei an. Auch wie der Beitrag von ETAS im Rahmen von Big Data aussehen soll, erläuterte er kurz: „Wir werden mehr messen und haben schon Tools im Bereich Data Analytics. Hier wollen wir die Toolchain schließen. Dabei ist es wichtig, jetzt die ersten Schritte zu gehen, da der Bedarf definitiv vorhanden ist.“ Auch Bernhard Schick weist auf den Handlungsbedarf bei Big Data hin: „Big Data ist ein großes Wort – es bietet viel Potential. Die Fahrzeugentwicklung steht hier allerdings noch ganz am Anfang.“ Dr. Rainer Kallenbach richtete den Blick in die Zukunft: „Der Traum ist, dass das, was wir heute im täglichen Leben im Internet kennen – Daten innerhalb von Sekunden zur Verfügung zu haben – auch mit technischen Daten aus dem Automobilumfeld möglich wird, zum Beispiel aus dem Antriebsstrang.“ Darüber hinaus waren sich alle Teilnehmer einig, dass es beim Thema Big Data entscheidend sein wird, die Anwender bei der Implementierung miteinzubeziehen. Hier nur Top-down zu handeln, sei keine Lösung. Ziel ist es, den Ingenieuren zu zeigen, wie der Nutzen durch Big Data konkret aussieht und wie er deren Arbeit unterstützen und erleichtern kann.

Die Podiumsdiskussion sowie die vorangegangenen Vorträge zeigten somit deutlich: Big Data ist ein zukunftsweisendes Thema – und alles andere als nur ein Schlagwort. Die ETAS Connections 2015 diente dabei als exklusive Plattform, um verschiedene Perspektiven zusammenzubringen und einen qualifizierten Austausch unter Experten und Interessierten zu ermöglichen. Dem fachlichen Teil der Veranstaltung folgte ein Abendessen, bei dem die Diskussionen zu Big Data und Co. nicht abrissen. Genau dieser spezielle Mix – aus fachkundigen Vorträgen, einer spannenden Podiumsdiskussion und legerem Zusammensein – verlieh der ETAS Connections 2015 ihr besonderes Ambiente. Den idealen Rahmen hierfür bildete die einzigartige Atmosphäre des Bosch-Heidehofs nahe der Bosch-Villa, dem ehemaligen Wohnhaus des Gründers der Robert Bosch GmbH.