Neue Geschäftsführung bei ETAS

Interview mit Christoph Hartung, Günter Gromeier und Götz Nigge

Seit dem 1.1.2021 hat ETAS eine neue Geschäftsführung. RealTimes spricht mit Christoph Hartung, President und Vorsitzender der Geschäftsführung, Günter Gromeier, Executive Vice President Sales, und Götz Nigge, Executive Vice President Operations, über ihre Werdegänge, welche Rolle ETAS im Bereich Automotive-Software spielt und darüber, wie man seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotz eingeschränkter Kontaktmöglichkeiten aufgrund einer weltweiten Pandemie kennenlernt.

Christoph Hartung, President

Christoph, du bist seit 1.1.2021 Vorsitzender der ETAS Geschäftsführung. Welche beruflichen Stationen durchliefst du zuvor? Welche waren für dich am prägnantesten?

Christoph Hartung: Ich begann meine berufliche Laufbahn 1999. Seitdem war ich bei verschiedenen Automobilherstellern beschäftigt – Mercedes-Benz und Volkswagen. Dies war insgesamt eine sehr einprägsame Zeit. 2020 wechselte ich schließlich zu Bosch in den Bereich Connected Mobility Solutions. Dort lernte ich zum ersten Mal die Sicht eines Tier1s kennen. Für meine neue Aufgabe bei ETAS ist es hilfreich, meine langjährige OEM-Erfahrung nun für die „andere Seite“ einbringen zu können. Oder anders gesagt: Es fällt mir nicht schwer, die Dinge aus Sicht eines Kunden zu betrachten.

Götz Nigge, Executive Vice President Operations

Götz, als Board-Mitglied mit Verantwortung für kaufmännische Aufgaben warst auch du zuletzt im Geschäftsbereich Connected Mobility Solutions der Robert Bosch GmbH tätig. Welche beruflichen Stationen hast du im Vorfeld durchlaufen?

Götz Nigge: Meine berufliche Laufbahn begann ich als Offizier bei der Marine, definitiv eine spannende Zeit. 1999 trat ich in die Robert Bosch GmbH ein und war dort in verschiedenen Bereichen tätig, unter anderem im Personalwesen, im Einkauf und habe verschiedene Projekte geleitet. Ich habe insgesamt über sechs Jahre im Ausland für Bosch gearbeitet, eine Zeit, auf die ich sehr gerne zurückblicke. 2010 übernahm ich in Italien die kaufmännische Leitung einer eigenständigen Bosch Tochtergesellschaft mit rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Eine komplett neue Erfahrung, bei der ich viel gelernt habe, da die Strukturen einer kleineren Firma natürlich ganz anders sind als bei einem globalen Konzern wie Bosch. Ich denke, aus meinen Erfahrungen kann ich viel für meine neue Aufgabe bei ETAS mitnehmen und freue mich darauf, das Unternehmen gemeinsam mit den hochmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch in Zukunft weiter voranzubringen.

Günter Gromeier, Executive Vice President Sales

Günter, du bist 1995 zu ETAS gekommen – kurz nach der Gründung im Jahr 1994. Was waren deine wichtigsten Meilensteine im Unternehmen?

Günter Gromeier: Begonnen habe ich damals als Applikationsingenieur in Schwieberdingen, zu einer Zeit, als bei ETAS noch alles im Aufbau war. Im Laufe der vergangenen 27 Jahre habe ich dann unterschiedliche Stationen durchlaufen – unter anderem in den Bereichen Vertrieb, Marketing, Produktmanagement und Unternehmensentwicklung. Ich finde es besonders interessant, in einem interkulturellen Umfeld zu agieren, weshalb meine Jahre in Frankreich und China sicher zu den spannendsten gehören. Nicht weniger prägend waren aber auch die letzten Jahre bei ETAS. Die Automobilindustrie ist im Umbruch. E-Mobilität, Vernetzung, (teil-)automatisiertes Fahren usw. Der Markt verändert sich ständig und es kommen immer wieder neue Innovationen dazu. Software spielt bei den meisten eine zentrale Rolle. Ich freue mich, die Zukunft in diesem Bereich als Mitglied der ETAS Geschäftsführung aktiv mitgestalten zu können.

Christoph, welche Rolle spielt ETAS bei den aktuellen Entwicklungen im Bereich Automotive-Software?

Christoph Hartung: Wir beschäftigen uns mit Tool- und Middleware-Lösungen, um diese Anwendungen umzusetzen und auf dem Steuergerät zu betreiben. Für uns spielt insofern in erster Linie Effizienz und Sicherheit in der Entwicklung eine Rolle: Wir haben verstanden, wie Prozesse, Methoden und Tools sich verändern müssen, um komplexe Systeme im Fahrzeug aufzusetzen, zu managen und auch über ihren gesamten Lebenszyklus zu unterstützen. Entwicklungseffizienz ist ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, neue Systeme auf die Straße zu bringen. Aktuell nimmt die Komplexität der Fahrzeugelektronik rasant zu. Dies lässt sich nur mit klassischen Methoden nicht mehr entwickeln. Das ist positiv für uns, weil genau die Beherrschung großer Komplexität unser Metier ist.

Stichwort ADAS: Bringen datengetriebene Themen wie das (teil-)automatisierte Fahren neue Herausforderungen?

Christoph Hartung: Auf jeden Fall. Wir arbeiten für ADAS/AD mit einem großen Netzwerk an Tier1s und OEMs zusammen, um abzuleiten, was sie brauchen und wie wir ihre Entwicklungsprozesse am besten unterstützen können. Diese datengetriebenen Entwicklungsabläufe haben ja ein klares Grundgerüst: Testfahrzeuge fahren möglichst viele Testkilometer und sammeln Daten Richtung Backend, dort wird simuliert, validiert und optimierte Algorithmen werden zurück ins Fahrzeug überspielt. Um diese Entwicklungsschritte abzubilden und zusammen mit dem OEM für sein Fahrzeug zu implementieren, sind unsere Tools und unser Know-how in Sachen Measurement, Calibration und Toolkette gefragt. Das Spezielle bei der Entwicklung für Automotive im Vergleich zur reinen IT liegt sicherlich darin, dass die Tools hier nicht ausschließlich digital sind, sondern immer eine Brücke in die Hardwarewelt brauchen und gleichzeitig hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen müssen.

Du hast deine neue Position inmitten einer weltweiten Pandemie begonnen. Wie lernst du in dieser Situation deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen, da Präsenz-Veranstaltungen ja nach wie vor und auf absehbare Zeit nicht möglich sind?

Christoph Hartung: Ich fände es natürlich schön, wenn ich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in größeren Runden persönlich kennenlernen könnte und mich dabei mit ihnen über Strategie, das Portfolio und Ideen für die Zukunft austauschen könnte. Da das aktuell nicht möglich ist, findet vieles über Videocalls statt. Über diese Möglichkeit bin ich sehr froh. In Ausnahmefällen ist auch ein persönliches Treffen möglich, natürlich unter strengen Corona-Auflagen. Aber ob persönlich oder per Video – letztendlich ist es meiner Ansicht nach das Wichtigste, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber offen und transparent zu sein.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage an euch alle: Wie findet ihr in stressigen Zeiten einen Ausgleich zum Arbeitsalltag?

Götz Nigge: Für mich ist Sport der ideale Ausgleich. Ich gehe gerne joggen und betreibe zudem Kampfsport.

Günter Gromeier: Was mir hilft, um abzuschalten, sind verschiedene Outdoor-Aktivitäten, natürlich abhängig von der Jahreszeit, also z. B. Laufen oder auch Golfen.

Christoph Hartung: Auch ich mache viel Sport. Ich jogge gerne und habe mir zudem während der Pandemie ein kleines Fitnessstudio zu Hause eingerichtet, in dem ich mit meinen Söhnen zusammen trainiere.

Vielen Dank für das Interview!

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