19.04.2018

A wie Allgäu – und Assistenzsysteme

ETAS unterstützt „A drive living lab“ an der Hochschule Kempten

Mit ihrem weltweit einzigartigen Masterstudiengang „Fahrerassistenzsysteme“ ist der Hochschule Kempten ein Coup gelungen. Studierende aus aller Welt stehen ebenso Schlange wie OEMs und Zulieferer, die sich in die Forschung des neuen „A drive living lab“ einklinken wollen. Koordinator Professor Stefan-Alexander Schneider erklärt im Interview, was es mit dem Lab auf sich hat und welche Rolle ETAS und ETAS ISOLAR-EVE darin spielen.

Im Interview: Prof. Dr. Stefan-Alexander Schneider ist Leiter des Masterstudiengangs Fahrerassistenz-systeme an der Hochschule Kempten.

ETAS: Allgäu, autonomes Fahren und Assistenzsysteme – wie passt das zusammen?

Prof. Schneider: Wir haben hier an der Hochschule Kempten den weltweit einzigartigen Masterstudiengang „Fahrerassistenzsysteme“, an dem 15 Professoren aus drei Fakultäten beteiligt sind. Federführend ist dabei mein Lehrstuhl für Autonomes Fahren und Assistenzsysteme, den Continental Ende 2013 für fünf Jahre gestiftet hat. Es gibt in der Industrie hohen Bedarf an Systemingenieuren, die wissen, wie man Assistenzsyteme entwickelt. Wir bilden sie seit 2014 aus. Studienbewerber aus aller Welt rennen uns förmlich die Tür ein. Um so praxisnah wie irgend möglich auszubilden, haben wir unser „A drive living lab“ eröffnet.

ETAS: Was hat es damit auf sich?

Prof. Schneider: Wir bilden auf 500 m² Fläche die gesamte Wertschöpfungskette der Assistenzsystem-Entwicklung nach, um unseren Studierenden unter Vorentwicklungsbedingungen die dafür notwendigen Prozesse, Methoden und Werkzeuge zu vermitteln. Und natürlich geht es auch darum, die Entwicklungsprozesse zu analysieren und zu optimieren. Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik arbeiten dabei Hand in Hand – und bringen ihre jeweilige Expertise ein.

ETAS: Wofür steht das „A” in „A drive living lab”?

Prof. Schneider: Allgäu, Assistenzsysteme und autonomes Fahren – wie Sie es eingangs aufgezählt haben. Aber es könnte auch „V-Lab“ heißen. Denn der Aufbau unseres Labors orientiert sich am V-Modell aus der Software- und Systementwicklung. Die Werkstatt misst 50 mal 10 Meter und stellt so ein gestrecktes V dar: Alle Schritte von der Anforderungsanalyse über die Funktions- und Systemspezifikation bis zu den vielfältigen Schritten der Validierung sind hier als Stationen aufgefädelt. Die Studierenden lernen und forschen also von Beginn an in industrieähnlicher Umgebung – ohne lange Wege. Dazu trägt auch ETAS bei, indem wir professionelle Werkzeuge, darunter ISOLAR-EVE zur Erzeugung virtueller Steuergeräte, das Hardware-in-the-Loop-System ETAS LABCAR und die Open-Source-Software BUSMASTER, zur Verfügung gestellt bekommen. Unsere Studierenden lernen so die Werkzeugketten kennen, mit denen sie auch in der Industrie arbeiten werden.

ETAS: Welche Anwendungen schweben Ihnen mit den virtuellen Steuergeräten vor?

Prof. Schneider: Wir möchten damit unter anderem die Steuergeräte aus unterschiedlichen Domänen vernetzen. Für Fahrerassistenzsysteme ist das Zusammenspiel von Antriebs- und Fahrwerks-
steuergeräten mit Sensorsystemen für die Umfelderkennung und -überwachung wichtig. Co-Simulation von Kamera-, Radar- oder Lidarsystemen mit virtuellen Steuergeräten oder auch im virtuellen Steuergeräteverbund ist dabei von zentralem Interesse. Es geht um ein tieferes Verständnis der Interaktion solcher Systeme, um Echtzeit-Datenkommunikation im Fahrzeug und perspektivisch auch um die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur. Hier ist Virtualisierung eine enorme Hilfe. Und natürlich müssen wir auch unsere heutigen Entwicklungsmethoden weiterentwickeln. Agile Software-Entwicklung ist der Trend. Nachträgliches Aufspielen von Funktionen, die trotz aller Flexibilität sauber validiert und verifiziert sein müssen. Solche Themen treiben die Industrie um. Das sieht man auch daran, dass sich schon unmittelbar nach der Gründung mehrere OEMs, Tier-1- und Tier-2-Zulieferer ins „A drive living lab“ eingeklinkt haben. In den nächsten Monaten wird die komplette Infrastruktur stehen. Dann werden wir hier richtig loslegen.

ISOLAR-EVE für die Virtualisierung von ADAS-Steuergeräten

Für die Virtualisierung von ADAS-Steuergeräten ist das Tool ISOLAR-EVE besonders gut geeignet, da es sämtliche Komponenten der Steuergeräte-Architektur berücksichtigt und damit das Verhalten des realen Steuergeräts auf dem PC sehr realitätsnah wiedergibt. So werden in die Virtualisierung sowohl Anwendungssoftware als auch die reale Basissoftware einschließlich einem vollständigen AUTOSAR-Betriebssystem einbezogen. Multi-Core-Konfigurationen werden realistisch abgebildet und heterogene Architekturen, bestehend aus Mikrocontrollern und Mikroprozessoren, können dargestellt werden. Auf diese Weise wird auch eine Simulation mehrerer vernetzter Steuergeräte und ihrer Kommunikation ideal unterstützt.